Integration, Religion und interreligiöser sowie interkultureller Dialog in der Sozialen Arbeit



Herausforderungen, Spannungsfelder und Chancen in pluralen Gesellschaften
Perspektiven aus Sozialer Arbeit, Dialogforschung, Wissenschaft und Praxis
Heidelberg | 24.–25. September
Hintergrund
Integration wird in Politik, Verwaltung und Wissenschaft häufig primär als sozioökonomischer, rechtlicher oder sprachlicher Prozess beschrieben. In der sozialen Praxis zeigt sich jedoch, dass Religion und religiöse Zugehörigkeit integrale Bestandteile von Lebenswelten vieler Menschen sind – als Ressource, als Deutungsrahmen, als soziale Praxis, aber auch als Konflikt- und Spannungsfeld.
Gleichzeitig gewinnen interreligiöse und interkulturelle Dialogformate in pluralen Gesellschaften zunehmend an Bedeutung: Sie fungieren als Brücken zwischen unterschiedlichen religiösen, kulturellen und weltanschaulichen Orientierungen und können sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene integrative Prozesse fördern. Dennoch bleiben diese Dialogpotenziale in der Sozialen Arbeit häufig untertheoretisiert, fragmentiert oder auf symbolische Begegnungen reduziert.
Die geplante Fachkonferenz widmet sich daher der Frage, wie Integration, Religion und interreligiös-kultureller Dialog in Sozialer Arbeit, Wissenschaft und Praxis gemeinsam gedacht und professionell gestaltet werden können, ohne vorschnelle Normierungen, essentialistische Verkürzungen oder problemzentrierte Zuschreibungen.
Leitfragen der Konferenz
Die Beiträge können sich – theoretisch, empirisch oder praxisbezogen – an einer oder mehreren der folgenden Leitfragen orientieren:
Welche Rolle spielt Religion in Integrationsprozessen – Ressource, Herausforderung oder ambivalente Praxis zugleich?
Wie können interreligiöse und interkulturelle Dialogansätze Integrationsprozesse in der Sozialen Arbeit konkret unterstützen?
Wie lässt sich religiöse Vielfalt professionell berücksichtigen, ohne die fachliche Neutralität und den säkularen Rahmen Sozialer Arbeit zu unterminieren?
In welchem Spannungsverhältnis stehen staatliche Integrationslogiken, kommunale Steuerungsinstrumente und religiöse Lebenswelten von Migrant*innen?
Werden religiöse Akteur*innen und Religionsgemeinschaften in der Integrationspraxis angemessen wahrgenommen oder systematisch unterschätzt?
Welche Rolle spielen Dialogkompetenzen (z. B. Perspektivübernahme, Ambiguitätstoleranz, Konfliktkommunikation) im professionellen Handeln Sozialer Arbeit?
Wo liegen die Grenzen interreligiöser Dialogformate – und wann können sie Konflikte eher verdecken als bearbeiten?
Wie können Machtasymmetrien, Diskriminierungserfahrungen und strukturelle Ungleichheiten dialogisch thematisiert werden, ohne Dialog zu instrumentalisieren?
Welche ethischen, methodischen und institutionellen Voraussetzungen braucht eine religions- und dialogsensible Soziale Arbeit im deutschen Kontext?
Wie lassen sich Wissenschaft, Praxis, Kommunen und religiöse Organisationen nachhaltiger in dialogorientierten Integrationsprozessen vernetzen?
Thematische Schwerpunkte
Integration als sozialer Prozess zwischen Religion, Kultur und Zugehörigkeit
Religion zwischen Ressource, Konflikt, Unsichtbarkeit und Stigmatisierung
Interreligiöser und interkultureller Dialog als Praxisfeld der Sozialen Arbeit
Dialogkompetenzen in Beratung, Jugendhilfe und Familienarbeit
Religions- und kultursensible Ansätze in Sozialer Arbeit und Gemeinwesenarbeit
Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Religionsgemeinschaften als Dialogakteure
Normative Neutralität, professionelle Grenzen und ethische Herausforderungen
Macht, Differenz und Ungleichheit im Dialogkontext
Praxisforschung und innovative dialogbasierte Kooperationsmodelle
Erwünschte Beiträge
Willkommen sind insbesondere:
theoretisch-konzeptionelle Beiträge zu Integration, Religion und Dialog
empirische Studien (qualitativ, quantitativ oder mixed methods)
praxisnahe Reflexionen mit wissenschaftlicher Einordnung
Projekt- und Modellvorstellungen aus Kommunen, Wohlfahrtsverbänden oder Zivilgesellschaft
kritische Analysen bestehender Dialogformate und -programme
Formate
Vortrag (20 Minuten + Diskussion)
Panelbeiträge
Praxisberichte mit moderiertem Diskussionsfokus
Zielgruppe
Wissenschaftlerinnen aus Sozialer Arbeit, Sozialpädagogik, Religionswissenschaft, Theologie, Dialog- und Friedensforschung sowie Praktikerinnen aus Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Bildungseinrichtungen und religiösen Organisationen.
Sprache
Deutsch
(Beiträge auf Englisch nach Absprache möglich)
Ziel der Konferenz
Die Konferenz versteht sich nicht als Ort normativer Vorgaben, sondern als reflexiver Dialograum zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie möchte zur Professionalisierung des Umgangs mit Religion und religiöser Vielfalt in der Sozialen Arbeit beitragen und den interreligiös-kulturellen Dialog als methodische und ethische Ressource für Integrationsprozesse kritisch weiterentwickeln.
Integration findet nicht religionsfrei statt –
entscheidend ist, wie reflektiert, dialogisch und professionell mit Religion umgegangen wird.

Kontakt

Prof. Dr. Ayhan Tekineş
Prof. Dr. Abdullah Demir 

Institut für Wissenschaft und Weisheit gGmbH
Große Gallusstraße 16–18/1
60312 Frankfurt am Main
Mail: [email protected]